Mutterliebe, ein gewaltiges Naturphänomen. Selbst die schüchternsten Frauen werden zu Löwenmüttern, wenn ihrem Spross vermeintlich Gemeines oder Ungerechtes angetan wird. In der Welt der werdenden Mamas kursiert aber leider ein großer Irrglaube: Mutterliebe entsteht nicht zwangsläufig mit dem positiven Schwangerschaftstest und auch nicht mit dem ersten Ultraschallbild. Nicht mal die Geburt ist immer Überbringer dieses Gefühls. Bei den betroffenen Müttern entstehen dann oft Gedanken wie: „Vielleicht bin ich keine gute Mutter“ oder auch „Vielleicht war es die falsche Entscheidung, ein Kind zu bekommen“. Gefühlt sind alle anderen Mütter total verliebt in ihre Bäuche und in ihre Kinder. Räumen wir an dieser Stelle doch mal ein wenig mit diesem Irrglauben auf. Es gibt viele Frauen, die in der Mutterrolle von der ersten Minute an aufgehen, die Schwanger sein toll finden und ihr totales Glück im Mama werden/sein gefunden haben. Aber es gibt auch viele Mütter, die mehr Zeit benötigen. Erstmal den kleinen Menschen kennenlernen, sich an das „neue“ Leben herantasten und mit dem neuen Spektrum der Verantwortung umgehen lernen. Das „alte“ Paar muss sich neu formieren und eine Familie werden – Teambuilding ist angesagt! Lasst euch von eurer Umwelt nicht unter Druck setzen. Vergleicht euch nicht ständig untereinander. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um in die neue Rolle als Mutter und auch die neue Situation mit eurem Partner hineinzuwachsen. Und plötzlich ist sie da, früher oder später – völlig egal – dieses unbeschreiblich gewaltige und nicht vergleichbare Gefühl: Die Mutterliebe.
Midlife / Homestory
15 Monate Corona. Das sind ungefähr 460 Tage….seitdem ist meine ganze Familie ständig und immer zu Hause. Nicht falsch verstehen – ich liebe sie alle. Aber mit Pausen. Abgesehen vom Bildungsauftrag steht meine (fast) 13jährige Tochter Mathilda im normalen Leben zeitig auf, frühstückt, schwingt sich auf ihr Fahrrad (Aktion) und ist mindestens für 6 Stunden in der Schule (laut Lehrer wenig Reaktion)! Nach der Schule kommt sie muffelig nach Hause und lässt sich jedes Wort aus der Nase ziehen. Nach einem dreifachen „ohhh Mama“ hat sie sich mit Freunden getroffen oder ist zum Sport gegangen. Abendessen, Familienleben, ab ins Bett. Mathilda hat sich aus freien Stücken vor einiger Zeit für die zwei Zimmer im Keller entschieden. Keine Sorge: Tageslicht, Schlaf- und Wohnbereich inklusive. Weit weg von ihrer 3jährigen Schwester und uns. Dahin hat sie sich gerne mal – hin und wieder – zurückgezogen. 460 Corona-Tage später: Das liebreizende Kind ist endgültig im Keller verschwunden. Ich kokettiere immer wieder mit dem Gedanken, ein Schild mit Pfeil nach unten und der Aufschrift „Natascha“ anzubringen. Nun ja, meine gute Erziehung hält mich davon ab (entschuldige bitte Natascha K.). Getroffen wird sich jetzt via keine Ahnung was und alle sind ständig ONLINE. Mein Kind ist in den sozialen Netzwerken verschwunden. Wenn sie einer finden sollte, schickt sie bitte nach Hause. Aber da gibt es ja auch noch die kleine Charlotte, 3 Jahre alt und seit gefühlt 920 Tagen nicht mehr in der Kita. Zum Glück haben wir unser Au-Pair, das uns in dieser Zeit tatkräftig unterstützt. Mama musste ja auch noch nebenher 40 Stunden als freiberufliche Hebamme arbeiten. An dieser Stelle meine absolute Hochachtung für alle Mamas, die diese Option nicht haben. Unsere Kleinste hat diese Zeit toll aber LAUT gemeistert. Die schwangeren Mütter in Spe, die zur Vorsorge gekommen sind (meine Hebammenpraxis ist im Haus) übrigens auch, denn Lotti hat den einen oder anderen Termin tatkräftig (hatte ich schon laut gesagt?) unterstützt. Was soll ich sagen, meine Patientinnen werden halt auf´s wahre Leben vorbereitet. Die größte Herausforderung? Mein geliebter Mann. Dieser ist auch seit mindesten (!) 920 Tagen im Homeoffice. Mit einem Meeting nach dem anderen. Kennt ihr diese Menschen die sehr laut sprechen, wenn sie Kopfhörer aufhaben? Genau! Mit Lotti dann gemeinsam: Dolby Surround. Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Mein Ehemann Tim ist eigentlich ein sehr gepflegter und gut gekleideter Mann. Er hat sich in diesem Corona Jahr, sagen wir mal, zurückentwickelt?! Man(n) trägt nur noch Hoodies und T-Shirts. An diesem wird nach 4 Tagen gerochen und dann wird es für gut befunden: „Geht nochmal“! Letzten Mittwoch gab es ein wichtiges Meeting im richtigen Büro. Tim kam im Anzug und rasiert die Treppe hinuntergeschwebt…um dann für 6 Stunden in der Hamburger Innenstadt (+ 2×40 Minuten Fahrtzeit) zu verschwinden. Lotti war den 3. Tag im Kindergarten, „Natascha“ musste in die Schule wegen einer echten Schularbeit. Nach den Pfingstferien soll der Schulbetrieb auch tatsächlich wieder losgehen. Ich sehe also Licht, Bildung (na ja) und offene Restaurants am Horizont. Und vor allem RUHE.
FASHION MUM

FASHION MUM

Midwife
Mein halbes Leben arbeite ich nun schon als Hebamme und habe unzählige Paare auf dem Weg zum Eltern werden begleitet. In dieser Zeit hat sich das Kinder kriegen für die frischen Eltern verändert. Es ist „gestresster“ und weniger intuitiv geworden. Aber woran liegt das? Es sind die Eltern untereinander die sich einem unglaublichen Stress und Wettkampf aussetzen. Viele, wenn nicht sogar die Meisten, nicht mal bewusst. Die „gute“ Mutter von heute ist glücklich schwanger und fühlt sich in ihrem Körper pudelwohl. Bei der Geburt haben wir dann zwei Lager: alles ging schief oder es war eine Traumgeburt ohne PDA oder sonstigem Schmerzmittel, weil das Erlebnis so einmalig war und man jeden Moment genießen wollte. Natürlich gibt es viele Frauen die eine Geburt als etwas unwahrscheinlich Schönes erleben. Aber oft erst beim zweiten oder dritten Kind. Letztlich kämpfen viele Frauen schon in der Schwangerschaft mit ihrem Anspruch an sich selber. Wenn wir die Schwangerschaft mal provokant, weg von jeder Romantik, als körperlichen (Ausnahme-)Zustand beschreiben, dann ist es völlig in Ordnung, diesen nicht zu mögen. Viele Frauen leiden an Wassereinlagerungen, vor allem im Sommer. Die Luft ist knapp und die vorgenommen 14 kg Gewichtszunahme wurden schon in der 30. SSW erreicht. Nachts kann man nicht schlafen, weil die Harnblase drückt, man einfach keine bequeme Position findet oder an restless legs leidet. Dann steht da ja auch noch Geburt ins Haus. Aber bei der Nachbarin oder Freundin die zufällig auch gerade schwanger ist läuft alles suuuuuper. Die gute Nachricht an alle: Egal, ob ihr schwanger sein als wundervoll empfindet oder froh seid, wenn der kleine Schmarotzer endlich draußen ist….weder das Eine noch das Andere macht euch zu besseren oder schlechteren „Mamis in progress“.
Stelle dich vor (Beispielbeitrag)
