15 Monate Corona. Das sind ungefähr 460 Tage….seitdem ist meine ganze Familie ständig und immer zu Hause. Nicht falsch verstehen – ich liebe sie alle. Aber mit Pausen. Abgesehen vom Bildungsauftrag steht meine (fast) 13jährige Tochter Mathilda im normalen Leben zeitig auf, frühstückt, schwingt sich auf ihr Fahrrad (Aktion) und ist mindestens für 6 Stunden in der Schule (laut Lehrer wenig Reaktion)! Nach der Schule kommt sie muffelig nach Hause und lässt sich jedes Wort aus der Nase ziehen. Nach einem dreifachen „ohhh Mama“ hat sie sich mit Freunden getroffen oder ist zum Sport gegangen. Abendessen, Familienleben, ab ins Bett. Mathilda hat sich aus freien Stücken vor einiger Zeit für die zwei Zimmer im Keller entschieden. Keine Sorge: Tageslicht, Schlaf- und Wohnbereich inklusive. Weit weg von ihrer 3jährigen Schwester und uns. Dahin hat sie sich gerne mal – hin und wieder – zurückgezogen. 460 Corona-Tage später: Das liebreizende Kind ist endgültig im Keller verschwunden. Ich kokettiere immer wieder mit dem Gedanken, ein Schild mit Pfeil nach unten und der Aufschrift „Natascha“ anzubringen. Nun ja, meine gute Erziehung hält mich davon ab (entschuldige bitte Natascha K.). Getroffen wird sich jetzt via keine Ahnung was und alle sind ständig ONLINE. Mein Kind ist in den sozialen Netzwerken verschwunden. Wenn sie einer finden sollte, schickt sie bitte nach Hause. Aber da gibt es ja auch noch die kleine Charlotte, 3 Jahre alt und seit gefühlt 920 Tagen nicht mehr in der Kita. Zum Glück haben wir unser Au-Pair, das uns in dieser Zeit tatkräftig unterstützt. Mama musste ja auch noch nebenher 40 Stunden als freiberufliche Hebamme arbeiten. An dieser Stelle meine absolute Hochachtung für alle Mamas, die diese Option nicht haben. Unsere Kleinste hat diese Zeit toll aber LAUT gemeistert. Die schwangeren Mütter in Spe, die zur Vorsorge gekommen sind (meine Hebammenpraxis ist im Haus) übrigens auch, denn Lotti hat den einen oder anderen Termin tatkräftig (hatte ich schon laut gesagt?) unterstützt. Was soll ich sagen, meine Patientinnen werden halt auf´s wahre Leben vorbereitet. Die größte Herausforderung? Mein geliebter Mann. Dieser ist auch seit mindesten (!) 920 Tagen im Homeoffice. Mit einem Meeting nach dem anderen. Kennt ihr diese Menschen die sehr laut sprechen, wenn sie Kopfhörer aufhaben? Genau! Mit Lotti dann gemeinsam: Dolby Surround. Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Mein Ehemann Tim ist eigentlich ein sehr gepflegter und gut gekleideter Mann. Er hat sich in diesem Corona Jahr, sagen wir mal, zurückentwickelt?! Man(n) trägt nur noch Hoodies und T-Shirts. An diesem wird nach 4 Tagen gerochen und dann wird es für gut befunden: „Geht nochmal“! Letzten Mittwoch gab es ein wichtiges Meeting im richtigen Büro. Tim kam im Anzug und rasiert die Treppe hinuntergeschwebt…um dann für 6 Stunden in der Hamburger Innenstadt (+ 2×40 Minuten Fahrtzeit) zu verschwinden. Lotti war den 3. Tag im Kindergarten, „Natascha“ musste in die Schule wegen einer echten Schularbeit. Nach den Pfingstferien soll der Schulbetrieb auch tatsächlich wieder losgehen. Ich sehe also Licht, Bildung (na ja) und offene Restaurants am Horizont. Und vor allem RUHE.